Maximum Likelihood
Likelihood · Log-Likelihood · MLE · Normal · Poisson · Bernoulli
© Dr. Rainer Düsing · Interactive Tools by Claude
Maximum Likelihood — welcher Parameter macht die beobachteten Daten am plausibelsten?  ·  Likelihood ≠ Wahrscheinlichkeit
Stufe 1
Schritt 1 — Datenpunkt platzieren
Schritt 2 — Verteilung verschieben → Likelihood ablesen
Schritt 1: Datenpunkt y setzen (σ = 1, fest)
Datenpunkt y (beobachtet, fest)
Verteilung zentriert bei μ
Dichtewert = Likelihood L(μ|y)
Likelihood-Kurve: wie hoch ist f(y|μ) für jedes μ?
Maximum bei μ = — (= y)
Log-Likelihood ℓ(μ|y)
Die rechte Kurve zeigt für jedes mögliche μ, wie hoch die Dichtefunktion am Datenpunkt y wäre. Das Maximum liegt genau bei μ = y. Das ist MLE für einen Datenpunkt.
σ = 1.0 (fest)
Datenpunkt y 1.5
Verteilung schieben: μ -2.00
Likelihood ≠ Wahrscheinlichkeit — der zentrale Unterschied
P(y | θ): Wahrscheinlichkeit der Daten y, wenn Parameter θ bekannt ist. θ fest, y unbekannt.

L(θ | y): Likelihood des Parameters θ, wenn die Daten y beobachtet sind. y fest, θ unbekannt.

Dieselbe mathematische Formel — vollständig andere Interpretation.

Likelihood summiert sich nicht auf 1 und ist keine Wahrscheinlichkeit über θ. Bei stetigen Verteilungen ist L der Dichtewert — dieser kann > 1 sein (σ in Stufe 2 sehr klein stellen, dann steigt die Dichtefunktion über 1).
Warum Log-Likelihood? — Stufe 1 & 2
Die Likelihood von n Beobachtungen ist das Produkt der Einzeldichten: L(θ|y₁…yₙ) = ∏ᵢ f(yᵢ|θ)

Bei vielen kleinen Werten (z.B. 0.04 × 0.09 × … × 0.06) wird das Produkt extrem klein — numerischer Underflow. Stufe 2 zeigt das live: das Produkt der roten Linien wird im Infotext angezeigt und schrumpft rasant.

Der Logarithmus macht aus dem Produkt eine Summe: ℓ(θ) = Σᵢ log f(yᵢ|θ)

Warum funktioniert das? Der Logarithmus ist eine monoton steigende Funktion — wenn L(θ) größer wird, wird log L(θ) ebenfalls größer, und dort wo L(θ) sein Maximum erreicht, hat auch log L(θ) sein Maximum. Das Maximum liegt also an genau derselben Stelle θ̂ — egal ob man L(θ) oder ℓ(θ) maximiert.

Der entscheidende praktische Vorteil: Statt tausender winzig kleiner Zahlen zu multiplizieren (was zu numerischem Underflow führt, d.h. der Computer rechnet einfach 0), addiert man nun handhabbare negative Zahlen. Kein Präzisionsverlust, keine Rundungsfehler.
MLE maximiert daher immer ℓ(θ) = log L(θ).
MLE — das Prinzip & Schätzer — Stufe 1 & 2
Maximum Likelihood Estimation sucht θ, das die beobachteten Daten am plausibelsten macht:

θ̂ = argmax ℓ(θ|y)

Das ist kein Urteil über θ selbst — nur über seine Kompatibilität mit den Daten. Andere θ-Werte sind nicht unmöglich, nur weniger plausibel.

Analytische MLE-Schätzer (Normal):
μ̂ = ȳ  ·  σ̂² = Σ(yᵢ−ȳ)²/n  (biased — n statt n−1!)

In Stufe 1 sieht man: μ̂ = y (ein Punkt), in Stufe 2: μ̂ = ȳ (alle Punkte).
Mehrdimensionales MLE: μ und σ gleichzeitig — Stufe 2
MLE kann mehrere Parameter gleichzeitig schätzen — ein wichtiger Vorteil gegenüber einfachen Momentenschätzern.

Für die Normalverteilung gibt es zwei unbekannte Parameter: μ (Lage) und σ (Streuung). Die Log-Likelihood wird dann zu einer Fläche über dem (μ, σ)-Raum — ein Gebirge statt einer Kurve. Der gemeinsame MLE liegt am Gipfel dieser Fläche:

μ̂ = ȳ    σ̂ = √(Σ(yᵢ−ȳ)²/n)

In Stufe 2: „Auch σ variieren" aktivieren → Heatmap zeigt die 2D-Landschaft. Der helle Punkt ist der gemeinsame Gipfel. Dieses Prinzip skaliert auf beliebig viele Parameter — so schätzt lm() und glm() in R intern.
MLE ist allgemein — Poisson & Bernoulli — Stufe 3
MLE funktioniert für jede parametrische Familie — nicht nur Normal. Das ist das Fundament von GLMs:

Poisson (Trainingsstunden/Woche): λ̂ = ȳ  ·  Log-Likelihood: Σᵢ [yᵢ·log(λ) − λ]
Bernoulli (Mindestleistung 0/1): p̂ = Anteil Einsen  ·  Log-Likelihood: Σᵢ [yᵢ·log(p) + (1−yᵢ)·log(1−p)]

In Stufe 3 zwischen den Familien wechseln: Die Likelihood-Landschaft verändert ihre Form — Parabel für Bernoulli, asymmetrisch für Poisson — aber der Mechanismus ist identisch: finde den Gipfel.
Modellvergleich mit AIC & BIC — Stufe 3
Der maximierte Log-Likelihood-Wert ℓ̂ lässt sich direkt für Modellvergleiche nutzen:

AIC = −2·ℓ̂ + 2k  (k = Anzahl Parameter)
BIC = −2·ℓ̂ + k·log(n)

Kleinerer AIC/BIC = bessere Passung bei gleicher Komplexität. AIC bestraft weniger stark als BIC — bei großem n bevorzugt BIC sparsamere Modelle.

Anwendungsbeispiel: Passt Poisson oder Negativ-Binomial besser auf die Trainingsstunden-Daten? Gleiche Daten, verschiedene Familien — AIC/BIC entscheiden. In Stufe 3 werden AIC und BIC live berechnet.
ℹ Maximum Likelihood — Hilfe
Was lerne ich hier?
Dieses Tool erklärt Maximum Likelihood Estimation (MLE) — einen der wichtigsten Schätzmechanismen der Statistik. Und es macht einen entscheidenden Unterschied klar: Likelihood ist nicht Wahrscheinlichkeit.
Die drei Stufen
Likelihood ≠ Wahrscheinlichkeit
Wahrscheinlichkeit: Parameter fix → wie wahrscheinlich sind diese Daten?
Likelihood: Daten fix, beobachtet → wie plausibel ist dieser Parameter?

Die Likelihood ist keine Wahrscheinlichkeitsverteilung über den Parameter — sie integriert nicht zu 1. Erst ein Prior macht daraus einen Posterior (Bayes-Theorem).
Warum das für Bayes wichtig ist
MLE liefert den plausibelsten Parameter ohne Prior-Information. Bayesianische Schätzung gewichtet diese Likelihood mit einem Prior: Posterior ∝ Likelihood × Prior. Mit flachem Prior → Posterior-Modus ≈ MLE. Das macht MLE zum konzeptuellen Fundament für alles Weitere.
Danach → Vom LM zum GLM: Linkfunktionen und warum GLMs dieselbe MLE-Logik auf andere Verteilungen anwenden
Weiterführende Literatur
Dunn & Smyth (2018) — Generalized Linear Models with Examples in R