Szenario
KVT-Studie: n = 40 Β· Outcome: BDI-Reduktion (Punkte) Β· Therapie vs. Kontrolle
Β· Ξ²Μ = 4.80, SE = 2.10
Akt 1
Gleiche Daten β andere Fragen mΓΆglich
Was sehe ich?
Die Posterior-Verteilung von Ξ² β die PlausibilitΓ€t aller EffektgrΓΆΓen gegeben Vorwissen (Prior) und Daten. Die blaue FlΓ€che rechts der Schwelle zeigt, wie viel Wahrscheinlichkeitsmasse auf diesem Bereich liegt.
Was soll ich tun?
Schwelle mit der Maus ziehen und dabei ΓΌberlegen: Ab welchem Ξ²-Wert ist der Effekt klinisch bedeutsam? Z. B. 2.2 oder 5.0 BDI-Punkte β der Grenzwert ist frei wΓ€hlbar.
Wie interpretiere ich das?
Die Prozentzahl = P(Ξ² > Schwelle | Daten, Prior) β eine direkte Wahrscheinlichkeitsaussage ΓΌber den Parameter. Mehrere Schwellen ausprobieren ist kein Problem: der Posterior Γ€ndert sich nicht, nur die Abfrage.
Warum kann das Frequentismus nicht?
Das 95%-KI ist keine Wahrscheinlichkeitsaussage ΓΌber Ξ². P(Ξ² > 3) lΓ€sst sich nicht direkt ablesen. Wer denselben Datensatz auf Ξ² > 3 und Ξ² > 2.2 testet, begeht multiples Testen mit erhΓΆhter Fehlerrate. Bayesianisch kein Problem: der Posterior ist fix.
Frequentistisch
Ξ²Μ = 4.80 SE = 2.10
95% KI: [0.68, 8.92]
t(38) = 2.29 p = .023
β
P(Ξ² > 3) = ?
kein direktes Ergebnis
β
P(Ξ² > 0) = ?
kein direktes Ergebnis
β
P(2 < Ξ² < 7) = ?
kein direktes Ergebnis
Bayes β Posterior-Verteilung
(Schwelle mit Maus verschieben)
β Schwelle ziehen β
Ist der Effekt klinisch bedeutsam
(β₯ 3.0 BDI-Punkte)?
(β₯ 3.0 BDI-Punkte)?
βFrequentistisch: nicht direkt β p = .023 sagt nur: βsignifikant"
βP(Ξ² > 3.0) = β
Mit welcher Wahrsch. ist der Effekt
ΓΌberhaupt positiv?
ΓΌberhaupt positiv?
βp < .05 beantwortet das nicht
βP(Ξ² > 0) = β
Liegt der Effekt im praktisch
relevanten Bereich [2, 7]?
relevanten Bereich [2, 7]?
βKI enthΓ€lt mehr als diesen Bereich
βP(2 < Ξ² < 7) = β
Akt 2
Prior als kumulatives Wissen
Was sehe ich?
Drei Kurven: Prior (grΓΌn, gestrichelt β Vorwissen vor den Daten), Likelihood (orange, gepunktet β was die Daten allein sagen) und Posterior (blau, gefΓΌllt β kombiniertes Ergebnis). Darunter ein Breitenvergleich der 95%-Intervalle.
Was soll ich tun?
Zwischen uninformativem und informativem Prior wechseln. Die Likelihood (Daten) bleibt dabei identisch β nur der Prior Γ€ndert sich und damit der Posterior.
Wie interpretiere ich das?
Mit informativem Prior (10 Vorstudien: ΞΌ = 5, Ο = 0.6) zieht der Posterior zusammen. Gleiche Daten, prΓ€ziserer Posterior β das Vorwissen reduziert die Unsicherheit formal und transparent.
Warum ist das gut?
Frequentismus ignoriert Vorwissen strukturell. Bayes formalisiert kumulatives Lernen: der Posterior von heute ist der Prior von morgen. Wissenschaftlicher Fortschritt als akkumulierter Wissensstand.
Hinweis: Likelihood (orange) bleibt bei allen Priors konstant.
Die Y-Achse skaliert auf die hΓΆchste Kurve β daher wirkt sie kleiner, wenn Prior oder Posterior schmΓ€ler und damit hΓΆher wird.
Frequentistisch β 95% KI
[0.68, 8.92]
Breite: 8.24 Punkte
Bayes β uninformativer Prior
[0.68, 8.92]
Breite: 8.24 Punkte
Bayes β informativer Prior (10 Studien)
[3.86, 6.12]
Breite: 2.26 Punkte β 73% schmΓ€ler
β
Frequentismus hat keinen formalen Mechanismus fΓΌr Vorwissen.
Mit einem informativen Prior β hier aus 10 Vorstudien abgeleitet β wird der Posterior
deutlich prΓ€ziser: gleiche Daten, schmaleres Intervall.
Das ist kumulatives Lernen in der Wissenschaft.