Warum Bayes? β€” ParameterschΓ€tzung neu gedacht
Gleiche Daten Β· mehr Antworten Β· kumulatives Wissen
Β© Dr. Rainer DΓΌsing Β· Interactive Tools by Claude
Szenario KVT-Studie: n = 40 Β· Outcome: BDI-Reduktion (Punkte) Β· Therapie vs. Kontrolle  Β·  Ξ²Μ‚ = 4.80, SE = 2.10
Akt 1 Gleiche Daten β€” andere Fragen mΓΆglich
Was sehe ich?
Die Posterior-Verteilung von Ξ² β€” die PlausibilitΓ€t aller Effektgrâßen gegeben Vorwissen (Prior) und Daten. Die blaue FlΓ€che rechts der Schwelle zeigt, wie viel Wahrscheinlichkeitsmasse auf diesem Bereich liegt.
Was soll ich tun?
Schwelle mit der Maus ziehen und dabei ΓΌberlegen: Ab welchem Ξ²-Wert ist der Effekt klinisch bedeutsam? Z. B. 2.2 oder 5.0 BDI-Punkte β€” der Grenzwert ist frei wΓ€hlbar.
Wie interpretiere ich das?
Die Prozentzahl = P(Ξ² > Schwelle | Daten, Prior) β€” eine direkte Wahrscheinlichkeitsaussage ΓΌber den Parameter. Mehrere Schwellen ausprobieren ist kein Problem: der Posterior Γ€ndert sich nicht, nur die Abfrage.
Warum kann das Frequentismus nicht?
Das 95%-KI ist keine Wahrscheinlichkeitsaussage ΓΌber Ξ². P(Ξ² > 3) lΓ€sst sich nicht direkt ablesen. Wer denselben Datensatz auf Ξ² > 3 und Ξ² > 2.2 testet, begeht multiples Testen mit erhΓΆhter Fehlerrate. Bayesianisch kein Problem: der Posterior ist fix.
Frequentistisch
Ξ²Μ‚ = 4.80   SE = 2.10
95% KI: [0.68, 8.92]
t(38) = 2.29   p = .023

βœ— P(Ξ² > 3) = ? kein direktes Ergebnis
βœ— P(Ξ² > 0) = ? kein direktes Ergebnis
βœ— P(2 < Ξ² < 7) = ? kein direktes Ergebnis
Bayes β€” Posterior-Verteilung  (Schwelle mit Maus verschieben)
β€”
P(Ξ² > 3.0)
← Schwelle ziehen β†’
Ist der Effekt klinisch bedeutsam
(β‰₯ 3.0 BDI-Punkte)?
βœ—Frequentistisch: nicht direkt β€” p = .023 sagt nur: β€žsignifikant"
βœ“P(Ξ² > 3.0) = β€”
Mit welcher Wahrsch. ist der Effekt
ΓΌberhaupt positiv?
βœ—p < .05 beantwortet das nicht
βœ“P(Ξ² > 0) = β€”
Liegt der Effekt im praktisch
relevanten Bereich [2, 7]?
βœ—KI enthΓ€lt mehr als diesen Bereich
βœ“P(2 < Ξ² < 7) = β€”
Akt 2 Prior als kumulatives Wissen
Was sehe ich?
Drei Kurven: Prior (grΓΌn, gestrichelt β€” Vorwissen vor den Daten), Likelihood (orange, gepunktet β€” was die Daten allein sagen) und Posterior (blau, gefΓΌllt β€” kombiniertes Ergebnis). Darunter ein Breitenvergleich der 95%-Intervalle.
Was soll ich tun?
Zwischen uninformativem und informativem Prior wechseln. Die Likelihood (Daten) bleibt dabei identisch β€” nur der Prior Γ€ndert sich und damit der Posterior.
Wie interpretiere ich das?
Mit informativem Prior (10 Vorstudien: ΞΌ = 5, Οƒ = 0.6) zieht der Posterior zusammen. Gleiche Daten, prΓ€ziserer Posterior β€” das Vorwissen reduziert die Unsicherheit formal und transparent.
Warum ist das gut?
Frequentismus ignoriert Vorwissen strukturell. Bayes formalisiert kumulatives Lernen: der Posterior von heute ist der Prior von morgen. Wissenschaftlicher Fortschritt als akkumulierter Wissensstand.
Hinweis: Likelihood (orange) bleibt bei allen Priors konstant. Die Y-Achse skaliert auf die hΓΆchste Kurve β€” daher wirkt sie kleiner, wenn Prior oder Posterior schmΓ€ler und damit hΓΆher wird.
Frequentistisch β€” 95% KI
[0.68, 8.92]
Breite: 8.24 Punkte
Bayes β€” uninformativer Prior
[0.68, 8.92]
Breite: 8.24 Punkte
Bayes β€” informativer Prior (10 Studien)
[3.86, 6.12]
Breite: 2.26 Punkte  β†“ 73% schmΓ€ler
β†’ Frequentismus hat keinen formalen Mechanismus fΓΌr Vorwissen. Mit einem informativen Prior β€” hier aus 10 Vorstudien abgeleitet β€” wird der Posterior deutlich prΓ€ziser: gleiche Daten, schmaleres Intervall. Das ist kumulatives Lernen in der Wissenschaft.